„Eine Ameise kann zwar keine Hose anziehen, aber sie kann dich dazu bringen, deine auszuziehen.“ So lautet eines der Sprichwörter, die ein burkinischer Geschichtenerzähler in einem der Videos in der Ausstellung zum Besten gibt. Warum werden Lebensweisheiten häufig so verpackt? Welche Rolle spielen dabei Tiere? Und: Welche Wirkung hat es, wenn solches Wissen direkt weitergegeben wird, von Mensch zu Mensch in einer Erzählrunde, statt es für sich allein in einem Buch nachzulesen? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Besucher*innen der neuen Sonderausstellung „Hört, hört! Geschichten, Klänge und Wissen aus Burkina Faso. Und sie stellen schnell fest: Geschichtenerzählen ist etwas, was alle Menschen miteinander verbindet – ob in Westafrika oder hierzulande.

Thema von „Hört, hört!“ ist die mündliche Weitergabe von Wissen. „Da wundert es nicht, dass in den Ausstellungsräumen wenig Text zu den gezeigten Videos und den anderen Dingen zu finden ist, die gezeigt werden“, sagt die Kuratorin Tatjana Dübbel. Stattdessen gehen die Besucher*innen mit Kopfhörern durch die Räume.

Zu atmosphärischen Klängen und der Tonspur aus den Videos können sie den Stimmen von Nebou und Amadou lauschen. Die beiden begleiten sie durch die Ausstellung. Sie erzählen gemeinsam, was ihnen zu den gezeigten Themen einfällt und liefern erklärende Hintergründe. Der Dolmetscher Amadou Sanou aus Hannover ist in Burkina Faso aufgewachsen, die Künstlerin und Kulturvermittlerin Nebou N’Diaye aus Hamburg ist Tochter eines burkinischen Vaters.

Die beiden gehören zum interkulturellen Beirat, der an der Konzeption der Ausstellung beteiligt war. Auch die Anglistin Ruby Edet aus Nigeria, die Kommunikationsdesigner*in Mawuto Dotou, aus Togo, der Trommelmeister Ibs Sallah aus Gambia und die Soziologin Helen Yogo aus Kamerun haben ihre jeweilige Expertise eingebracht.

Ihnen war unter anderem wichtig, dass die Besucher*innen erfahren, über welche kulturelle Vielfalt allein das kleine westafrikanische Land Burkina Faso verfügt – dort werden fast 70 verschiedene Sprachen gesprochen. Und dass z. B. die Tradition der Griots und Griottes, Sänger*innen, Dichter*innen und Instrumentalist*innen, die traditionelles Wissen mündlich weitergeben, nicht der Vergangenheit angehört. Vielmehr zeigt sich in Stars wie der malisch-französischen Sängerin Aya Nakamura, dass sie sehr lebendig und zeitgemäß ist.

Die Ausstellung zeigt, dass die mündliche Wissensweitergabe Dinge kann, die in der Schriftkultur untergehen: eine Geschichte gemeinsam erleben, in den Moment eintauchen, in dem sie erzählt wird. Geschichten verändern sich durch das Erzählen, werden abgewandelt, sind lebendig. Es gibt vielfältige Möglichkeiten für Besucher*innen, genau das nachzuvollziehen oder selbst eine Geschichte zu erzählen. Und das Feedback zeigt: Sprache macht einfach Spaß!

Kuratorin: Tatjana Dübbel
Gestaltung: Mawuto Dotou
In Kooperation mit dem Goethe Institut Burkina Faso