„Es ist ein nie endender Lernprozess.“ – Zwei Kommunikatorinnen erzählen von ihrer Arbeit

Text: Ina Tran, Fotos: Muaz Toguslu

Wer einen Rundgang im Forum Wissen besucht oder an einem Workshop teilnimmt, bekommt meist nur einen kleinen Ausschnitt davon zu sehen, was hinter den Kulissen passiert. Im Gespräch erzählen die beiden Studentinnen Maria und Nina (Anmerkung der Redaktion: Namen geändert), wie sie ihre Arbeit im Wissensmuseum erleben und was sie im Laufe der Zeit daraus mitgenommen haben. 

Ihre Aufgaben sind vielfältig. Sie führen Gruppen durch die Ausstellung, bereiten Workshops vor, helfen beim Auf- und Abbau von Sonderausstellungen und stehen im Austausch mit Besucher*innen. Kurz gesagt: Sie springen überall dort ein, wo Unterstützung gebraucht wird. Weil beide unterschiedliche Fächer studieren, bringen sie ganz eigene Perspektiven ein und machen so jeden Rundgang zu etwas Besonderem.

Audio-Perspektiven im Forum Wissen

Maria, die Naturwissenschaftlerin

Maria kommt aus dem Iran, studiert Chemie und arbeitet seit Juli 2023 als Kommunikatorin. Ihr naturwissenschaftlicher Hintergrund prägt ihren Blick auf die Themen im Forum Wissen. Oft wählt sie einen experimentellen Zugang, schaut genau hin, wie Wissen entsteht, und bezieht wissenschaftliche Methoden mit ein. Zurzeit entwickelt sie mit anderen Kommunikator*innen einen Workshop, in dem Kinder experimentelle Methoden aus den Naturwissenschaften kennenlernen und selbst ausprobieren können.

Die Arbeit hat ihr zudem geholfen, über sich selbst hinauszuwachsen. „Das Reden vor Publikum ist eine Fähigkeit, die ich mir angeeignet habe, weil ich früher sehr introvertiert war und mich beim Sprechen vor anderen Menschen nicht besonders sicher fühlte. Jetzt hilft mir das bei Präsentationen an der Universität. Die Möglichkeit, diese Rundgänge vor einer großen Gruppe zu leiten, hat dazu enorm beigetragen, genauso wie die Fähigkeit, verschiedene Themen unvoreingenommen anzugehen, denn als Guide muss man das einfach können.“, erzählt sie.

Besonders schätzt Maria die Zusammenarbeit im internationalen Team. „Ich habe gelernt, sensibel mit unterschiedlichen Sichtweisen umzugehen. Viele gesellschaftliche Normen in Deutschland musste ich erst kennenlernen und durch die Arbeit im Forum Wissen habe ich viele neue Perspektiven gewonnen.“

Hands-on-Station im Raum „Werkstatt“

Nina, die Sozialwissenschaftlerin

Während Maria vor allem die naturwissenschaftliche Seite ins Forum Wissen einbringt, ergänzt Nina das Team mit einem anderen Zugang. Ihre Perspektive ist stärker sozialwissenschaftlich geprägt: Sie schaut auf die gesellschaftlichen Zusammenhänge, die in den Ausstellungen sichtbar werden.

Nina kam 2022 zunächst über den Museumsshop ins Forum Wissen. Ein Jahr später wurde sie selbst Kommunikatorin. In ihren Rundgängen verbindet sie historische, gesellschaftliche und politische Aspekte miteinander. „Auch ich habe gelernt, objektiver zu sein, wenn ich über etwas spreche“, sagt sie. „Die Arbeit hat mir gezeigt, wie man verschiedene Perspektiven einnimmt und seine eigene Meinung klar von den Fakten trennt. Ich war schon vorher gesprächig – der Job hat mich also erst richtig in mein Element gebracht.“

Ihre Erfahrung mit Kindern kommt ihr dabei besonders zugute. Viele Gruppen loben, wie gut sie einen Zugang findet und wie nah sie an den Themen der Kinder bleibt.

Kommunikator*innen im Raum „Salon“

Im Austausch wächst Wissen

Für beide ist der Kontakt mit Besucher*innen das Herzstück ihrer Arbeit. Immer wieder entstehen Gespräche, in denen Fragen gestellt, Erfahrungen geteilt oder neue Gedanken angestoßen werden. Mit der Zeit entwickeln sie so ein Gespür für Gesprächssituationen, Gruppendynamiken und die verschiedenen Menschen, die sie durchs Forum Wissen führen.

Beide sind sich einig: Das Miteinander im Team ist bereichernd. Durch die enge Zusammenarbeit entstehen Freundschaften und man lernt nicht nur voneinander, sondern auch durch die Rundgänge selbst immer wieder Neues. Viele Angebote finden zudem mehrsprachig statt, wodurch sie ihre Sprachkenntnisse anwenden und vertiefen können.

Nina betont auch: „Meine Arbeit hat mein Allgemeinwissen enorm erweitert: Inzwischen kann ich über viele Themen mitreden, auch über naturwissenschaftliche, die vorher nicht zu meinem Schwerpunkt gehörten.“

Für Maria ergab sich durch ihre Tätigkeit sogar eine besondere Begegnung: Sie durfte einen Rundgang für den Göttinger Nobelpreisträger Erwin Neher gestalten. Für sie war das eine eindrucksvolle Erfahrung, da sie die Forschung des Biophysikers bereits aus ihrem Studium kannte. Gleichzeitig konnte sie neue Erkenntnisse aus dem Gespräch mitnehmen und diese ebenfalls in ihre späteren Rundgänge einfließen lassen.

Beide sind sich einig: Das Lernen hört nie auf. „Im Allgemeinen lerne ich so viel – Dinge, die ich wahrscheinlich nicht so leicht gelernt hätte, wenn ich nicht hier arbeiten würde“, sagt Maria. Daher beschreiben die beiden Kommunikatorinnen die Arbeit als einen „nie endenden Lernprozess.“

Zum Schluss bedanken wir uns bei Maria und Nina für ihre Offenheit und ihr Engagement und stellvertretend auch bei allen Kommunikator*innen, die mit ihrer Begeisterung dafür sorgen, dass Wissen im Forum Wissen nicht bloß gezeigt, sondern lebendig wird.