Sammlungen erzählen!

Und verraten dabei einiges über die Menschen hinter den gesammelten Objekten. Sammeln ist zutiefst menschlich. Viele von uns tun es – bewusst oder nebenbei. Wir bringen Souvenirs von Reisen mit, bewahren Bücher auf, haben etliche Zimmerpflanzen oder heben jede Postkarte auf. Doch Sammlungen bestehen nicht immer nur aus materiellen Dingen: Auch Erinnerungen, Augenblicke und Erfahrungen lassen sich sammeln. Manchmal werden sie sichtbar – in Fotografien, oder gehen unter die Haut.

Motive werden zu Trägern von Geschichten: Sie verweisen auf bestimmte Orte, auf Zeiten im Leben, auf Begegnungen. Sammlungen sind etwas sehr persönliches. In Tattoos etwa verdichten sich solche persönlichen Erzählungen – sie sind tragbare Sammlungen, die uns dauerhaft begleiten.

Michael Schwerdtfeger, Kustos des Alten Botanischen Gartens und Dozent an der Universität Göttingen, sammelt auf diese Weise – und seine Passion für Tattoos geht sogar so weit, dass er selber das Tätowieren erlernt hat. Der Vollblutbiologe ist „reich bebildert“, und alle seine Tattoos, etliche von ihm selbst gestochen,  erzählen von Pflanzen und Tieren, Orten und Situationen, die er in und mit der Natur überall auf der Welt erleben durfte. 

Max Gallenkamp, Kurator der Ausstellung „Sammlungen erzählen“, teilt diese Leidenschaft. Und so hat es sich im Kontext seines Ausstellungsprojektes am Forum Wissen ganz natürlich ergeben, dass er sich von Michael Schwerdtfeger ein botanisches Tattoo hat stechen lassen: Birke und Kiefer als Erinnerung an seine schönen Zeiten in Schweden. Schwerdtfegers Motive sind botanisch präzise und zugleich künstlerisch eigenständig. Statt mit Schablonen zu arbeiten, zeichnet er seine Entwürfe direkt auf die Haut, da er so das Motiv besser an die Körperform anpassen kann. So entstehen Arbeiten, die sich individuell an den jeweiligen Körper anpassen – lebendige Zeichnungen, die Wissenschaft und Kunst miteinander verbinden.

Das Motiv ist fast fertig und wird jetzt schattiert. Mittig auf dem linken Unterarm sieht man einen Kiefernzweig mit einem Kiefernzapfen, eingerahmt von einem Birkenplan über und einem Birkenblatt unter dem Zweig.
Das fast fertige Tattoo vor dem Schattieren

Die Ausstellung „Sammlungen erzählen. Und wie sammelst du?“ lädt dazu ein, diese Perspektiven auf das Sammeln zu entdecken – und die eigenen Gewohnheiten neu zu betrachten. Denn Sammeln ist weit mehr als ein wissenschaftliches Prinzip: Es ist eine Praxis des Alltags, aus der Geschichten entstehen.

Vitrinenausstellung
8. Februar – 31. Mai 2026
Raum Feld / Räume des Wissens, Forum Wissen

Weitere Informationen:
https://www.forum-wissen.de/sonderausstellungen/sammlungen-erzaehlen/

Digitale Einblicke und persönliche Sammelgeschichten:
https://sammlungen-erzaehlen.gbv.de/