Schön und mächtig: Frauen und Mütter der Sammlung „Heinz Kirchhoff – Symbole des Weiblichen“

Die Sammlung

Im Sammlungsschaufenster des Forum Wissen ist die ägyptische Göttin Isis zu finden, wie sie kniend ihren Sohn Horus im Arm hält. Ihre Brust ist unbedeckt und ihre Arme sind mit Bemalungen verziert. Aus ihrem schwarzen Haar ragen ein zylindrischer Ausguss und ein kleiner Henkel. In solchen kleinen figürlichen Krügen bewahrten die alten Ägypter vermutlich Muttermilch auf.

Göttin Isis mit ihrem Sohn Horus: Muttermilchkrüglein, Theben (Ägypten), 15. Jh. v. Chr. Foto: Martin Liebetruth

Solche Skulpturen werden daher als Muttermilchkrüglein bezeichnet. Neben ihr sind in der Vitrine weitere sehr unterschiedliche Frauendarstellungen zu sehen. Eine schlummernde Priesterin aus Malta und eine zart verzierte hölzerne Frauenfigur aus Tansania, neben einer jungsteinzeitlichen „Fat Lady“ und die Kopie einer Bronzestatue des bekannten Bildhauers Auguste Rodin. Sie stellt seine Lebensgefährtin Rose Beuret mit dem gemeinsamen Sohn dar. All diese Frauen repräsentieren eine eigene Facette des Weiblichen. Doch noch unzählige weitere lassen sich in der rund 650 Objekte zählenden Sammlung des Mediziners Heinz Kirchhoff entdecken.

Der Sammler

Kirchhoff war bis 1973 Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Direktor der Universitätsfrauenklinik in Göttingen. Er war ein leidenschaftlicher Sammler und reiste viel. So entstand im Laufe der Zeit seine Sammlung von Symbolen des Weiblichen, die er auch „Muttergottheiten“ nannte. Er selbst formulierte seine Gedanken zu dieser Sammlung am besten, indem er schrieb:

„Zum einen bestand der Wunsch, eine möglichst lückenlose, von der Altsteinzeit bis heute reichende und verschiedene Kulturen umfassende Sammlung künstlerischer Umsetzung der Themen „Frau“, „Muttergottheit“, „Fruchtbarkeitsidole“, „Frau als Spenderin des Lebens“ und „Mutterschaft“ aufzubauen. Weit im Vordergrund mit überragender Bedeutung stand und steht aber der Vorsatz, durch diese museale Ausstellung von Zeichen und Figuren der „Weiblichkeit“ auf die ungewöhnlich große Bedeutung der Frau als Ursymbol der Fruchtbarkeit im Leben der Menschheit hinzuweisen, ohne jedoch ihre Fähigkeiten und Aufgaben auf die Schwerpunkte dieser Ausstellung begrenzen zu wollen. Damit ist der Wunsch verbunden, durch unsere Demonstration der Vielfalt historischer und globaler Beispiele von Wertschätzung oder Verehrung des Weiblichen einen Beitrag zu leisten, die unleugbar auch heute noch und trotz aller Wandlungsansätze bestehende Unterbewertung der Frau gegenüber dem Mann nicht nur zu mindern, sondern endlich zu überwinden. Der Gleichstellung, Gleichachtung und Würdigung der Frau in jeglicher Form sowie der nur so aufzubauenden Partnerschaft gehört die Zukunft.“ 

– Prof. Dr. med. Heinz Kirchhoff

Kirchhoff übergab seine Sammlung anlässlich seines 80. Geburtstag der Universität Göttingen. Dort wurde sie zuerst im Institut für Ethnologie ausgestellt. Doch bei der Betreuung und Ausstellung ergaben sich als bald Platzprobleme, sodass die Sammlung Ende der 90er-Jahre verpackt und eingelagert werden sollte. Von diesem Schicksal der Sammlung erfuhren auch die Gynäkologinnen und Gynäkologen, die Anfang 1997 über ihren Berufsverband eine Führung durch die Sammlung erhielten. Kurzerhand beschlossen sie, die Sammlung nicht sich selbst zu überlassen. In Absprache mit der Familie Kirchhoff und den Verantwortlichen der Universität Göttingen als Eigentümerin der Sammlung und der Frauenklinik organisierten die engagierten Ärztinnen und Ärzte, dass die Objekte im Universitätsklinikum ausgestellt werden konnten. Im Jahr 1997 gründeten sie zudem einen Förderverein für die Sammlung, der sich bis 2019 engagiert um die Sammlung kümmerte. 

„Mère et Enfant“ von Auguste Rodin (1840-1917): Nachguss (Original: Brüssel, 1875) Foto: Martin Liebetruth

Der Förderverein

Seit der ersten gemeinsamen Führung war Dr. Anita Schmidt-Jochheim dabei. Sie war lange Jahre Vorsitzende des Fördervereins. Anfangs wusste sie überhaupt nicht, worauf sie sich einließ, als der Förderverein die Verantwortung für eine solche Sammlung übernahm. Sie und ihre Kolleg*innen arbeiteten zuerst nur mit dem Zettelkasten von Heinz Kirchhoff, erinnert sich Schmidt-Jochheim. Sie wisse aber auch noch, wie unglaublich viel sie gelernt haben, zum Beispiel beim Fotografieren der Objekte oder bei der Organisation von Wanderausstellungen. Im Laufe der Jahre wurde die Arbeit an der Sammlung immer professioneller. Nun hat auch sie ihren dauerhaften Platz im Forum Wissen gefunden.

Inzwischen ist die Gynäkologin im Ruhestand, aber wenn man mit ihr über die „Symbole des Weiblichen“ spricht, spürt man immer noch ihre große Leidenschaft für jedwede Frage des Frauseins. Ähnlich wie Kirchhoff findet sie: „Als Frau und noch dazu als eine, die den ganzen Tag mit Frausein als beruflicher Aufgabe und allen damit verbundenen Beeinträchtigungen und Herausforderungen zu tun hat, muss frau sich auch dafür einsetzen, dass Frauen in der Gesellschaft gleichberechtigt sind.“ In den vielfältigen Darstellungen der Sammlungsobjekte sieht sie, was es bedeutete und bedeuten kann, Frau zu sein, Mutter zu sein, schön zu sein, mächtig zu sein, dem Leben und dem Tod zu begegnen. Die Objekte spannen einen Bogen über die gesamte Menschheitsgeschichte und bieten somit auch für die Zukunft ein großes Potential für Forschung und Öffentlichkeit.

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