Fotos: Martin Liebetruth
Das Forum Wissen ist voll mit historischen Objekten, Bildern und Schriften, auf denen die heutige Wissenschaft aufbaut. Oft übersehen wir jedoch die Personen, die hinter der Wissenschaft stehen, die „Menschen, die es wissen wollten!“. Mit deren persönlichen Geschichten beschäftigt sich der Schauspieler Götz Lautenbach im gleichnamigen theatralen Rundgang.
Denkt man an die großen Wissenschaftler*innen der letzten Jahrhunderte, so kommen einem direkt Namen wie Gauß oder Lichtenberg in den Sinn. Beim Rundgang im Forum Wissen stehen aber bekannte Frauen im Vordergrund, allen voran Dorothea Schlözer und Emmy Noether.

Dorothea Schlözer – vom Vater gefördert
Zuerst führt Lautenbach die Besucher*innen in das Café im Forum Wissen, welches er mithilfe von eingespieltem Glockengeläut in die Paulinerkirche im Jahr 1787 verwandelt. Zusammen mit unserer Kommunikator*in Pelin Öszu als Dorothea Schlözer begibt sich Lautenbach mit den Besucher*innen auf eine Zeitreise zu dem Tag, als Schlözer von ihrer eigenen Promotionsfeier ausgeschlossen wurde. Gefördert vom Vater, verstand sie als Fünfjährige bereits erste mathematische Zusammenhänge, beherrschte schon als Kind zehn Sprachen und schloss mit nur 17 Jahren ihr Studium ab. Wie auch für viel zu viele andere Frauen würde es für sie trotz ihres Bildungsstatus keine Karrierechancen geben. Dennoch gilt sie als weibliche Vorreiterin in der akademischen Welt, obwohl sie zeitlebens aus dem Wissenschaftsbetrieb ausgeschlossen blieb.

Emmy Noether – Vorreiterin in der Männerdomäne der Physik
Der Szenenwechsel in den „Hörsaal“ bedeutet einen Zeitsprung: Von Dorothea Schlözer geht es zu Emmy Noether, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine von wenigen Frauen an der Universität war. Vor allem ihr Noether-Theorem ist bis heute in der physikalischen Forschung von Bedeutung. Lautenbach schlüpft in verschiedene Rollen: Er wechselt Requisiten (eine Brille für Noether, Perücke und Bart für Einstein), er passt seine Stimmlage an und schafft so klar unterscheidbare Rollenbilder für die verschiedenen Wissenschaftler*innen sowie deren Studierendenschaft. In lebhafter Erzählweise bringt er dem Publikum Emmy Noether als bedeutende Physikerin an der Universität Göttingen näher, die sich besonders für ihre Lehre auszeichnete.

Der Professor, sein Mechaniker und dessen Lehrling
An der letzten Station im Forum Wissen werden Johann Andreas Klindworth, Johann Justus Kraut und Georg Christoph Lichtenberg vorgestellt – „im Schnelldurchlauf“, wie Götz Lautenbach betont. Die drei Männer waren durch Arbeit, Forschung und Lehre im Bereich der Feinmechanik und Experimentalphysik miteinander verbunden. Klindworth lernte seinen Beruf an der Göttinger Sternwarte. Bekannt war er für seine zylindrische Tertienuhr, eine Stoppuhr, die derart genau messen konnte, dass sie für wissenschaftliche und astronomische Zwecke genutzt wurde. Kraut war sein Lehrling, der seinen Meister sehr bewunderte. Lichtenberg war in Göttingen Professor für Experimentalphysik, seine Vorlesungen dafür bekannt, dass sie mehr einer Show glichen. Ihre Wege kreuzten sich, als Klindworth begann, auch für Lichtenberg Instrumente herzustellen.

Götz Lautenbach schafft es mit wenigen Requisiten und Kostümelementen, den Besucher*innen einen neuen Blickwinkel auf die Forschung in Göttingen der vergangenen Jahrhunderte zu eröffnen. Die Mischung aus biographischen Daten und Zitaten mit dadurch verbundenen Rollenwechseln macht die Führung zu einem unterhaltsamen und gleichzeitig informativen Erlebnis. Obwohl die Bedingungen damals äußerst schwierig für sie waren, sind Schlözer und Noether bis heute relevant für Wissenschaft und Forschung. Zu Recht stehen diese beiden Frauen im Vordergrund der Führung.
Der Rundgang „Menschen, die’s wissen wollten“ findet bis Ende 2026 in regelmäßigen Abständen statt. Die Termine sind zu finden unter: https://www.forum-wissen.de/serien/szenischer-rundgang/