Gipsabgüsse sind wahre Meisterwerke, die weit mehr als bloße Kopien sind. Genau das zeigt die kleine Sonderausstellung „Gips statt Elfenbein“ im Römersaal des Archäologischen Instituts der Uni Göttingen. Wenn Sie sich für Kunstgeschichte, Restaurierung oder einfach die Geschichten hinter historischen Objekten interessieren, dann sind Sie hier goldrichtig.
Die Objekte selbst sind Grund genug
Die Ausstellung reicht von spätantiken Elfenbeintafeln bis zu hochmittelalterlichen Leuchtern. Besonders sehenswert ist ein Abguss eines sogenannten Diptychons. Diptychen waren ursprünglich zwei einfache, miteinander verbundene Schreibtafeln. Das hier ausgestellte zeigt dagegen ein richtig kostbares Relief, das sich durch Scharniere schließen lässt. So bleibt die künstlerische Gestaltung auf den Tafeln geschützt. Wenn man es aufklappt, kann man das Kunstwerk aufstellen. Dieses Diptychon zeigt den römischen Konsul Anastasius (um 500) in typischer Amtstracht. Während des Zweiten Weltkriegs ging die Vorlage dieses Abgusses verloren. Ohne Abgüsse wie diesen gäbe es heute nur noch Bilder vom Original.

Ein weiteres tolles Ausstellungsstück mit einer spannenden Geschichte ist ein Abguss eines tragbaren Altars (um 1860). Seine Geschichte hängt mit der Erforschung der Sammlungspraxis im ehemaligen Welfenmuseum und der Staatsbildung im Königreich Hannover zusammen. Wenn Sie mehr über die damalige Kulturpolitik erfahren wollen, die hinter dem Objekt steckt, dann sollten Sie sich die Ausstellung ansehen.

Gipsabgüsse erzählen ihre ganz eigene Geschichte
Abgüsse sind wertvolle Kunstformen, die Formen, Details und Gestaltungstraditionen von Originalen auf besondere Weise bewahren – besonders von solchen Stücken, die verloren gegangen, zerstört oder schwer zugänglich sind. In der Ausstellung können Sie nicht nur erfahren, welches Vorbild einem Abguss zugrunde liegt. Sie können auch erkunden, wie sich Abguss und Original gegenseitig verwandeln. Wie wird aus dem Abguss eines Elfenbeintäfelchens ein eigenständiges Kulturobjekt? Wie verändert sich die Aussagekraft eines Objektes, wenn das Material wechselt?
Forschung wird für alle sichtbar
Die ausgestellten Abgüsse stammen aus der Kunstsammlung und der Sammlung der Gipsabgüsse antiker Skulpturen an der Universität Göttingen. Seit dem 15. Jahrhundert dienen Abgüsse der wissenschaftlichen Lehre. Ab 1765 begann Christian Gottlob Heyne in Göttingen die universitäre Abgusssammlung anzulegen. Abgüsse ermöglichten den Studierenden und Forschenden den direkten Vergleich von Kunstwerken, die weit verstreut waren. Darüber hinaus wurden diese wertvollen Werke nun auch einem größeren Publikum zugänglich. Noch heute schätzen wir die Abgüsse als unersetzliche Lehrmittel, als Dokumente verlorener Werke und als eigenständige Kunstobjekte. Die Ausstellung präsentiert unter anderem anschaulich, wie noch heute Herkunfts- und Rezeptionsforschung oder etwa der Vergleich mit verlorenen Originalen funktionieren.

Das Handwerk und die Technik der Objekte sind einfach faszinierend
Die Ausstellung zeigt von der Formherstellung über das Gießen bis zur Oberflächenbehandlung, wie aufwendig Abgüsse hergestellt werden. Alle, die sich schon immer gefragt haben, wie die Abgüsse der Göttinger Abgusssammlung entstanden sind, werden hier fündig. Auch kleine Makel und Schwierigkeiten der Abgüsse werden dargestellt. Besonders eindrücklich wird beispielsweise der sogenannte Generationenverlust sichtbar. Damit ist gemeint, dass bei Mehrfachabformungen Details schwächer werden.
Neugierig geworden? Hier finden Sie alle Infos auf auf einen Blick:
Ort: Römersaal, Archäologisches Institut und Sammlung der Gipsabgüsse, Nikolausberger Weg 15, Göttingen
Öffnungszeiten: Sonntags 11–16 Uhr
Eintritt: 3 € | Ermäßigt 2 € | Frei: Studierende mit Kulturticket & Beschäftigte der Universität Göttingen
Wichtig: Der Ausstellungsraum ist nicht barrierefrei zugänglich.
Die Ausstellung ist noch bis zum 1. März 2026 geöffnet.