Visitenkarte und entscheidende Schnittstelle des Forum Wissen zur Öffentlichkeit ist die Basisausstellung, die sich über zwei Stockwerke und einer Fläche von 1.400 m² erstreckt und durch drei Prologräume und 12 „Räume des Wissens“ führt. Ihr zentrales Thema ist die Entstehung von wissenschaftlichem Wissen: Wie und wo wird Wissen geschaffen, verbreitet und erhärtet? Welche Akteure sind daran beteiligt – welche Menschen, Dinge oder Zusammenhänge? Der Großteil der Exponate stammt aus den Sammlungen der Universität Göttingen. Ausgehend von diesen lokalen Objektbeständen, Konstellationen und Narrativen werden in der Ausstellung allgemeine zu beobachtende Prinzipien des Wissen-Schaffens dargestellt.

Prolog

Drei Prologräume im Erdgeschoss leiten auf das Thema hin: Im Prozess des Wissen-Schaffens spielen Perspektiven, Praktiken und Verknüpfungen eine wesentliche Rolle.

Im ersten Bereich Perspektiven begrüßt eine Anzahl durchaus ungewöhnlicher „Köpfe der Wissenschaft“ die Besucher*innen und sensibilisiert sie für die Bedeutung von Blicken, Standpunkten und Sichtweisen, von denen – in der Wissenschaft wie in der Ausstellung – jede Erkenntnis abhängt. Die Exponate werden per Audio-Statements aus verschiedenen Blickwinkeln kommentiert und dieser Ansatz setzt sich an ausgewählten Objekten im weiteren Rundgang fort. Implizit wird so auch immer wieder gefragt: Wer „spricht“ in dieser Ausstellung, von welcher Position aus und wie laut?

Der zweite Bereich führt das Prinzip der Praktiken ein. Eine raumfüllenden Filmcollage versammelt Sequenzen alltäglicher Verrichtungen, Abläufe und Handgriffe, sämtlich gefilmt an der Universität Göttingen in den Jahren 2020/21, in einer eigens entwickelten Choreografie. Ziel ist es, von Beginn an den Blick auf die vielen kleinen Schritte, die oft unscheinbaren, nicht selten unsichtbaren Handlungen in spezifischen räumlichen und sozialen Settings zu lenken, auf denen wissenschaftliches Wissen aufsetzt. In den folgenden Wissensräumen tauchen die Praktiken-Filme immer wieder auf und treten, teils von den Akteuren*innen kommentiert, als gegenwärtiger Akzent ins Verhältnis zu den überwiegend historischen Exponaten.

Der dritte Bereich Verknüpfungen führt in die geopolitische Dimension des Wissen-Schaffens ein und verortet Göttingen im Sinne eines localizing science im globalen Kontext. An einem medialen Kartentisch können die Objektbiografien von elf ausgewählten Exponaten bzw. Exponatgruppen aus unterschiedlichen Sammlungen erschlossen werden. Die Geschichten richten den Fokus auf die Mobilität von Menschen und Dingen: durch verschiedene Hände und Zeiten, über Grenzen und Köpfe hinweg, mit unterschiedlichen Mitteln, zu unterschiedlichen Zwecken, mit weitreichenden Folgen für die Fabrikation wissenschaftlichen Wissens. Das Prinzip der Translokation und Mobilität von Dingen, die je nach Kontext anderes bewirken und bedeuten können, wird in den folgenden Räumen modellhaft wieder aufgenommen.

Räume des Wissens

Im Obergeschoss befindet sich der Hauptteil der „Räume des Wissens“. Jeder der 12 Räume wird mit eigenen Fragen, Themen und Wissenspraktiken verbunden. Der Raum „Museum“ stellt eine traditionelle Form der Wissenskommunikation mit ihren Kernaufgaben Forschen, Bewahren, Sammeln, Präsentieren und Vermitteln vor und greift die Geschichte der Göttinger Universitätsmuseen auf. Im Raum „Schränke“ wird die materielle Praxis des Ordnens und die (Un)Möglichkeit thematisiert, Menschen, Tiere und Pflanzen in eine fixe Ordnung zu bringen. Das „Labor“ und das „Feld“ stellen Raumgebundene Forschungsbereiche vor. Am „Schreibtisch“ werden Wissenspraktiken behandelt, die um den Schreibtisch herum stattfinden, wie Transkribieren, Korrigieren, Kommentieren oder Veröffentlichen. Andere Räume setzen anderen Akzente wie etwa die „Werkstatt“, die das handwerkliche Arbeit als Teil der akademischen Wissensproduktion vorstellt und die Hierarchisierung bestimmter Wissensarten wie Kopf- und Handarbeit hinterfragt; im „Atelier“ geht es um die Praktiken der Visualisierung und die Rolle von Bildern im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess. Der „Holzweg“ zeigt das Irren, Scheitern und Umdenken; im „Markt“ stehen die Gesetze der Marktwirtschaft und ihre Bedeutung für das Wissen-Schaffen im Fokus und im „Salon“ die bisweilen unerbittlichen wissenschaftlichen Debatten der Vergangenheit und Gegenwart. Daneben gibt es auch ‚klassische‘ Räume des Wissens wie die „Bibliothek“ oder den „Hörsaal“.

Darüber hinaus zeichnet sich die Basisausstellung durch ihre Dynamik aus: Auf so genannten Freiflächen, die sich über die gesamte Ausstellung verteilen, werden im stetigen Wechsel aktuelle Themen aus Wissenschaft und Forschung unterschiedlicher Disziplinen oder künstlerische Interventionen vorgestellt.

Mediale Formate spielen neben den kulturhistorischen Exponaten eine tragende Rolle in der Basisausstellung. Eine durchgehende Spur produzierter Filme stellt über Monitore und raumprägenden Projektionen Praktiken der Forschung und Lehre vor. Kurze Audio-Statements einer Vielzahl von Akteur*innen inner- und außerhalb der Universität werfen unterschiedliche Perspektiven auf Dinge und Themen. An interaktiven Objektstationen können Exponate digital „eingesammelt“, spielerisch untersucht und bearbeitet werden.

Ausstellungstexte: Deutsch/Englisch

Sprachen: Deutsch, Englisch, Leichte Sprache, Deutsche Gebärdensprache