Hört, hört!


Hört, hört! Geschichten, Klänge und Wissen aus Burkina Faso
02.07.2026 – 31.01.2027 | Sonderausstellungsfläche Forum Wissen
Eine Kooperation mit dem Goethe-Institut Burkina Faso


„Wenn ein alter Mensch stirbt, verbrennt eine ganze Bibliothek.“ Dieses Zitat wird dem westafrikanischen Gelehrten Amadou Hampâté Bâ (1901-1991) zugeschrieben und verweist auf die große Bedeutung der mündlichen Weitergabe von Wissen in vielen afrikanischen Gesellschaften. Dabei spielen Erzählungen, Klänge und Sprache eine zentrale Rolle. Auch in Burkina Faso werden auf diese Weise seit Jahrhunderten Wissen, Werte und Erfahrungen von einer Generation an die nächste weitergegeben.

Die Ausstellung „Hört, hört!“ ist ein Klangerlebnis, das Augen öffnet. Kopfhörer auf und los geht‘s: Dank eines innovativen Soundsystems erfährst du diese lebendigen Wissensformen unmittelbar: Stimmen, Klänge und Videos aus Burkina Faso verweben sich zu vielschichtigen Soundscapes. Der Hamburger Musiker und Komponist Viktor Marek hat für die Ausstellung eigene Klangwelten entwickelt. Stimmen, Rhythmen, Instrumente und Geräusche werden im ganzen Raum hörbar. Du wirst Teil einer nächtlichen Erzählrunde, hörst, wie ein Instrument wie das Balafon zu sprechen beginnt und kannst versuchen, knifflige Sprachspiele zu verstehen. In sieben verschiedenen Themenräumen entfalten sich ganz unterschiedliche Formen mündlicher Wissensweitergabe. Ausstellungstexte und Audiospuren sind in deutscher und englischer Sprache verfügbar.

An vielen Stationen kannst du auch selbst aktiv werden: Versuche ein Balafon zum Sprechen zu bringen, entwickle eine verschlüsselte Sprache, spinne deine eigene Geschichte weiter oder löse mit anderen Besuchenden gemeinsam das Rätsel beliebter Sprichwörter unter einem großen Baobab-Baum. Neben westafrikanischen Musikinstrumenten wie Balafon, Bendré und Bolon werden multifunktionale Alltagsgegenstände wie die Kalebasse präsentiert, auch der Baobab-Baum, sozialer Treffpunkt in vielen burkinischen Dörfern, spielt eine Rolle.

Die Ausstellung zeigt: Die in Burkina Faso erzählten Geschichten verhandeln Themen, die Menschen überall auf der Welt bewegen. Es geht um Lebensweisheiten, Zusammenhalt, Verantwortung und Konflikte. Zugleich wird deutlich, dass orale Traditionen keine Relikte der Vergangenheit sind, sondern eigenständige und gegenwärtige Formen des Wissens, die bewahrt, gepflegt und weitergegeben werden. Sie stehen heute jedoch durch politische Krisen und Globalisierung zunehmend unter Druck.

Zusammenarbeit

Entstanden ist die Ausstellung aus dem Projekt „ECHO – Espaces pour les cultures orales“ in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Burkina Faso und verschiedenen Partnern vor Ort. Für Göttingen wurde sie vom Forum Wissen gemeinsam mit einem Beirat aus der westafrikanischen Community weiterentwickelt und durch eine Audiospur ergänzt, die dich bei deinem Besuch begleitet. Die Mitglieder des Beirats brachten ihre jeweilige Expertise in den Bereichen Sprache, Musik, Soziologie, Film, Kunst und Kultur ein.

Die Hamburger Kommunikationsdesignerin Mawuto Dotou hat die Ausstellung gestaltet. Sie setzt die Sounds und Videos aus Burkina Faso in einen spannungsreichen Dialog mit historisch gewachsenen und bis heute lebendigen Exponaten.

Wissenschaftliche Kooperation

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Institut für Ethnologie der Universität Göttingen, die das Projekt als wissenschaftlicher Kooperationspartner begleitet hat. Forschungen und Perspektiven aus der Ethnologie tragen dazu bei, die Vielfalt oraler Kultur und Wissensweitergabe in Burkina Faso sichtbar und hörbar zu machen.

Passend zur Ausstellung…

lohnt sich ein Besuch des Good Good Festival in Göttingen! Bei dem internationalen Festival bringt am 3. und 4. Juli 2026 sind dort mit Künstlern wie dem malischen Musiker Bassekou Kouyaté auch Vertreter der westafrikanischen Griot-Tradition zu erleben. Griots und Griottes sind Erzähler*innen, Musiker*innen und überliefern mündlich Geschichte und Kultur — Themen, die auch in der Ausstellung Hört, hört! Geschichten, Klänge und Wissen aus Burkina Faso eine zentrale Rolle spielen.

Mehr Informationen zum Festival gibt es unter Good Good Festival

Besuch

Die Ausstellung wird mit einem Audio-System erlebt. Bitte buche vor deinem Besuch online ein Zeitfenster für die Kopfhörerausleihe. Die Ausgabe erfolgt vor Ort.

Rahmenprogramm

[Ausstellungseröffnung 1. Juli 2026, 18:30 Uhr]
Vestibül Forum Wissen

Grußworte von Dr. Sandra Potsch, Leiterin des Wissensmuseums, Prof. Dr. Nikolaus Schareika, Mitgliedern des Ausstellungsbeirats und Kuratorin Tatjana Dübbel geben Einblicke in die Entstehung der Ausstellung.
Musikalisch begleitet wird der Abend von Ruby Edet, Ibs Sallah und Helen Yogo. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, die Ausstellung zu entdecken. Für musikalische Atmosphäre sorgt Viktor Marek.


[Familienaktionstage]
27. September 2026 und 31. Januar 2027 | 11–17 Uhr
Begleitend zur Sonderausstellung erwartet euch zu unseren Aktionstagen ein abwechslungsreiches Mitmachprogramm für die ganze Familie. Viele Angebote können flexibel besucht werden. Nutzt die Gelegenheit, die Sonderausstellung zu entdecken und selbst aktiv zu werden.

[Webt, webt! Kreatives Drop-in-Angebot für alle]
Jeden zweiten Sonntag | 12–16 Uhr
Inspiriert von der Sonderausstellung „Hört, hört!“ verwandeln wir Wolle in Geheimcodes und erzählen Geschichten mit Farben und Mustern. Mit einfachen Webrahmen gestaltet ihr textile Accessoires, die eure ganz persönliche Geschichte erzählen.

[Podcast-Festival in Kooperation mit NDR und Hotel Freigeist]
Samstag, 14. November 2026
Mit: Kinder-Podcast „Wunder dich schlau“, „Kunstverbrechen“ der true-Crime-Podcast von NDR Kultur, „Synapsen“, der Podcast von NDR Info, „Wissen to listen“, der Podcast des Forum Wissen, Podcasterin Leonie Schöler, Live-Konzert mit Ezé, Trommelworkshops, Audiowalks und vielem mehr!

→ Hier informieren wir rechtzeitig zu allen Veranstaltungen. Es werden laufend Termine ergänzt.


Besuch

Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag
10:00 — 18:00 Uhr

Fragen? Unser Team hilft bei Fragen rund um deinen Besuch gern weiter.

Danke!

Wir bedanken uns für die Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut. Wir sind zudem dankbar über die Medienpartnerschaft mit NDR Kultur. Für die Förderung der Ausstellung danken wir der Stiftung Niedersachsen, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) und dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).