Sonderausstellungsfläche

27. Oktober 2022 – 15. Januar 2023


Wie viel Menschenwürde steckt in einem Smartphone oder einem Paar Schuhe? Was bedeuten solche und andere Dinge für die Einzelnen? Eine neue Sonderausstellung im Forum Wissen nähert sich den Themen Flucht und Migration über die Sprache der Objekte und blickt auf die Materialität von Migration.

Blick in die Ausstellung. Zwei große Bilder von stark benutzen Schuhen hängen im Raum.
Foto: Forum Wissen

Moving Things ist eine Ausstellung über unscheinbare, alltägliche und vielschichtige Dinge im Zusammenhang mit Flucht und Migration. Sie fragt danach, wie diese Dinge zu Trägern von Bedeutung werden, ob diese ortsabhängig ist und wer überhaupt eine Bedeutung festlegt. Die Sonderausstellung wird von 27. Oktober 2022 bis 15. Januar 2023 im Forum Wissen Göttingen gezeigt.

Die Ausstellung ist ein Forschungsfeld der Techniken und Möglichkeiten, die das Museum als Ort der Aushandlung bietet. Sie wagt einen Versuch, die Materialität von Migration zu visualisieren. Sie ist das Ergebnis des Forschungsprojektes „Zur Materialität von Flucht und Migration“, das von drei Verbundpartnern getragen wurde: dem Institut für Ethnologie der Georg-August-Universität Göttingen, dem Museum Friedland und dem Berliner Ausstellungsbüro Die Exponauten. Ausstellungen et cetera. Von September 2018 bis Juli 2021 widmete sich das Forschungsprojekt Fragen wie: Welche Rolle spielen Dinge im Rahmen von Flucht und Migration? Welche Versprechen tragen sie in sich, welche Emotionen, welche Hoffnungen und Erwartungen? Was sagen Dinge über menschliche Existenzweisen? Was hat materieller Besitz mit Menschenwürde zu tun und was bedeutet sein Verlust für Selbstbewusstsein und Selbstverortung? Wie verändern Menschen Dinge und Dinge Menschen? Wie lassen sie sich bewegen?

Ausgangspunkt für das Projekt waren ethnografische Forschungen im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen. Die Wege der Recherche, die Gespräche und Begegnungen führten bald weit darüber hinaus: nach Moria und in die Türkei, nach Syrien und zu afghanischen Communities im Iran. 

In der Ausstellung werden die Fragen auf nochmals andere Weise behandelt. Sieben Räume widmen sich in freier Folge bewegten und bewegenden Dingen: Koffer, Schuhe, Papiere, Essen, ein Boot, Smartphones, Kunst. Sie eröffnen Auseinandersetzungen mit Komplexen wie Körper, Grenzen, Gemeinschaftlichkeit, Zuhause, Solidarität, Repräsentation und Transformation. 

Die Formen der Präsentation, entwickelt mit der Kooperative für Darstellungspolitik, Berlin, changieren zwischen Arrangements ganz ohne Objekte, konzentrierten Blicken auf einzelne Dinge, künstlerischen Positionen und räumlichen Szenarien. Als Versuchsanordnung stellt die Ausstellung so Fragen nach der Rolle von Dingen und Mensch-Ding-Beziehungen zwischen Materialität, Migration und Museum.

Die Ausstellung Moving Things wird durch die Kulturstiftung der Länder, die Stiftung Niedersachsen sowie im Rahmen des Förderschwerpunktes „Sprache der Objekte“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Ein Projekt von: Institut für Ethnologie der Georg-August-Universität Göttingen | Museum  Friedland | Die Exponauten.  Ausstellungen et cetera |  Kunstverein Göttingen